Als diesseitsorientierte Freund­schaftsbünde mit primär ethischer Zielsetzung sind Logen und Großloge keine Religionsge­meinschaften und bieten folg­lich auch keinen Ersatz für Religion an. Die Freimaurerei entwickelt keine Theo­logie und kennt keine Dogmen und Sakramente. Allerdings verwenden die Freimaurer Sym­bole, die dem religiösen Be­reich entlehnt sind, wie z.B. das Symbol „Großer Baumeister aller Wel­ten“. Dieses Symbol verkör­pert jedoch keinen eigenen freimau­rerischen Gottesbegriff, den es nicht gibt. Es begründet – wie gelegentlich missverstanden wird – auch keine relativierende religiöse Minimalanforderung an den Freimaurer. Es ist vielmehr Ausdruck der Überzeugung, dass moralisches Handeln die Anerkennung eines überge­ordneten sinngebenden Prin­zips voraus­setzt, eines höheren Seins, das Ver­antwortung begründet und auf das die Ethik des Freimaurers letztlich rück­bezogen ist. Als umfas­sendes Symbol für Lebenssinn und transzendenten Bezug des Menschen ist es vom einzelnen Freimaurer gemäß seiner eigenen weltanschaulich-reli­giösen Überzeugung ohne kritische Befragung und frei von Rechtferti­gungszwängen zu deuten und zu leben. Der Freimaurer hat sich als Freimaurer moralisch und nicht religiös zu ver­pflichten.

Freimaurerei ist weder Religion noch Kirche. Sie will vielmehr Menschen der verschiedensten Weltanschauungen und religiösen Überzeugungen im Bewußtsein verbindender Werte auf der Grundlage einer gemeinsamen Symbolsprache zusammenschließen. Die Zugehörigkeit zu einer Konfessionsgemeinschaft hindert die Mitgliedschaft im Freimaurerbund nicht.

Das freimaurerische Ritual vermittelt Erfahrungen, die über das Alltagsleben hinausgehen. Dennoch ist seine Wirkung rein psychisch und nicht übersinnlich oder gar magisch zu erklären. Die Freimaurerei beruht auf einer religiösen Grundlage, insofern sie der Stellung des Menschen in der Welt und seiner Beziehung zur Transzendenz in ihrem Brauchtum sinnlichen Ausdruck gibt. Dennoch ist die Freimaurerei keine Religionsgemeinschaft. Sie kennt keine Dogmen und läßt jeder individuellen Überzeugung Raum. Der konfessionell gebundene Freimaurer erfährt in der Loge keine Verachtung seines Glaubens, und die enge Begegnung mit Andersdenkenden braucht ihn nicht zu verunsichern. Eben um dies sicherzustellen, sind Diskussionen über konfessionelle Fragen im Freimaurerbund nicht gestattet.

Freimaurerei und Kirchen handeln beide von immateriellen Werten. Gleichwohl befindet sich der Freimaurerbund nicht in einer Konkurrenzsituation zu den Kirchen. Auf der anderen Seite ist zuzugeben, daß kirchenferne Männer in den Freimaurerlogen ihr kultisches Bedürfnis erfüllt sehen können. Die von der Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland vertretene Freimaurerei enthält sich jeder Jenseitsorientierung und bezieht sich nur auf das diesseitige menschliche Handeln.

Freimaurerei ist weder Partei noch Interessenverband:
Logen und Großlogen formulieren keine po­litischen Programme, nehmen nicht Teil an parteipolitischen Auseinandersetzungen und vertreten nicht die Interessen gesellschaftlicher Gruppierungen und Verbände. Dennoch hat die Freimaurerei eine politi­sche Wirkung: Als „Gemeinschaft toleranter Ungleichgesinnter“ leistet sie einen Beitrag zur Über­windung der schädlichen Auswirkungen politischer Konflikte zwi­schen Menschen, politischen Grup­pen und Nationen, mit der Verpflichtung zur Menschlichkeit thematisiert ein Grundziel jeder Politik, gemäß ihres Bekenntnisses zur Toleranz hilft sie, die politische Kultur im Sinne einer „streitbaren Gesprächsfähigkeit“ zu verbes­sern, und durch das Erörtern wichtiger Zeitfragen in den Logen trägt sie zur politischen Urteilsbil­dung ihrer Mitglieder bei. Auf der Grundlage persönlicher Überzeugungen sowie der in der Loge „eingeübten“ ethischen Werte verantwortlich zu handeln, ist dann Aufgabe des einzelnen Freimau­rers.